Master-Seminar: Chronische CMD und posturales System

Ziele

Einflüsse des Zustandes der craniomandibulären Region erstrecken sich auf sämtliche Ebenen unseres Bewegungsapparates und münden bei CMD häufig in stumme Dysfunktionen, die ihrerseits vielfach für Rezidive verantwortlich sind.

Posturale Dysfunktionen bilden einen wesentlichen Teil dieses komplexen Problembildes. Sie lernen in diesem Seminar die sichere Diagnostik und Therapie posturaler Dysfunktionen (muskulär – ligamentär – faszial) sowie die bedeutendsten Wechselwirkungen zwischen craniomandibulärem und posturalem System kennen. Dies ist ein wesentlicher Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung vor allem chronisch-rezidivierender Krankheitsverläufe bei CMD.

Schwerpunktthemen

  1. Posturale segmentale Koordination und kraniozervikale und kraniomandibulare Dysfunktion
  2. Posturale Dysfunktion - diagnostische und therapeutische Aspekte in kraniocervikalen und kraniomandibulären Dysfunktion – new approaches

Tag 1

Entwicklung der posturalen Stabilisierung bei Kindern, Adoleszenten und Erwachsenen – posturale Ontogenese
Bedeutung der kraniocervikalen und kraniosakralen Afferenzen in der Steuerung der posturalen funktionellen Segmentalen Stabilisierung der Motorik bei Menschen
Neurophysiologie der posturalen Stabilisierung, 3 Ebenen der sensomotorischen Steuerung und Regelung bei Menschen.

Tag 2

Entstehung der Dysfunktion im kraniozervikalen und kraniomandibularen Bereichen
Prinzipien der Therapietechniken der kraniozervikalen und kraniomandibularen Dysfunktionen:
- myofasziale Techniken
- osteopatische Techniken
- manuelle Techniken allgemein
- inhibierende und fazilitierende Maßnahmen in Übersicht
- direkte Stimulation der posturalen Stabilisierung
Praktische Einübung der Techniken der autogenen Inhibition der reziproken Inhibition und der Techniken mit direkter Aktivierung der synergistischen stabilisierenden posturalen Muskelspiele.

Tag 3

CMD-Ambulanz: Befunden & Behandlen

In unserer CMD-Ambulanz werden über den ganzen Samstag verteilt CMD-Patienten vorgestellt.
Diese Patienten werden von den Seminarteilnehmern in Kleingruppen gemeinsam mit unseren Dozenten und Assistenten befundet und Behandungspläne erstellt.
Zugleich werden Probebehandlungen an diesen Patienten durchgeführt.

Tag 4

CMD-Ambulanz: Der besondere Fall

Von den Ambulanz-Patienten am Samstag werden diejenigen Fälle am Sonntag vorgestellt, an denen exemplarisch besondere Diagnose- und Therapiestrategien abgeleitet werden können.

Zusammenfassung und Diskussion der Fallpräsentationen

Theorie & Praxis

Die posturale Schmerz-Therapie im Bewegungsapparat behandelt kausal die häufigsten Schmerzen der Menschen in der heutigen Zeit.

Bei postural bedingten Schmerzen (=posturale Dysfunktion) sind die Ursachen der Schmerzen NICHT nur im muskuloskelettalen System selbst zu suchen, sondern in der veränderten Steuerung der posturalen = funktionellen Stabilisierung des Halte- und des muskuloskelettalen Systems. Der Schmerz entsteht dann im überlasteten Weichgewebe.


Ein praktisches Beispiel:

Scheinbar banale Verletzungen oder Überlastungen einer Körperregion führen zu kurzfristigen Schmerzen oder Missempfindungen. Im Craniomandibulären System können diese Situationen durch Stress mit erhöhtem Muskeltonus der Kieferschließer, durch Bruxismus, Diskusvorverlagerungen, Überdehnung / Überlastung, aber auch infolge normaler zahnärztlicher Eingriffe entstehen.

In der Folge kommt es zu einer Umprogrammierung muskulärer Stereotypien: Das ZNS programmiert die Muskulatur auf Schonung der Schmerz- bzw. Irritationsquelle: es entstehen Ausweichbewegungen. D.h. bestimmte Muskeln sind plötzlich erhöht reizbar und haben eine niedrige Reizschwelle, andere sind dagegen inhibiert, wenn sie durch ihre Kontraktion die verletzte Stelle zusätzlich traumatisieren würden.

Nach Abklingen der Verletzung oder Irritation würde man erwarten, dass die „Schonungsreaktion“ ebenso abklingt. Oft bleiben jedoch POSTURALE DYSFUNKTIONEN bestehen = die veränderte Reizschwelle bestimmter Muskeln normalisiert sich nicht. Koordinationsstörungen der Kaumuskulatur mit schmerzhaften Muskelarealen sind die chronische Folge.


Wieso? Es besteht langfristig eine asymetrische Druck- und Zugverteilung in Gelenken, Muskeln und Faszien. Hypertone Muskeln werden dadurch selbst zur Schmerzquelle. Anders gesagt, durch eine inadäquate Steuerung sind diese Muskeln chronisch überlastet und die Nozizeption entsteht vorwiegend durch unphysiologische isometrische Anspannung.

Diesen Zustand der Funktionspathologie kann man nur mit der Normalisierung der posturalen Stabilisierung beheben. Deshalb ist hier die posturale Therapie die wichtigste Schmerztherapie, die auch lang andauernde Schmerzen beseitigt und Rezidive vermeiden hilft.

Die posturale Therapie ist eine ideale Prävention der statischen, überlastungsbedingten Schmerzen, weil die funktionelle Instabilität ein Vorreiter der Schmerzen im langfristig überlasteten Weichgewebe ist. In der Folge können sich strukturelle Veränderungen durch eine asymetrische Druckverteilung in den beteiligten Gelenken entwickeln.

Da posturale Dysfunktionen über das Trigeminale System eng mit dem Craniomandibulären System „verzahnt“ sind, ist die posturale Therapie gerade auch bei CMD-Patienten ein wichtiger Therapiebaustein.

Dieser Kurs führt in Kombination mit dem Wissen aus den vorangegangenen Seminaren mit seinem praktischen Instrumentarium zu einer systemischen Physiotherapie, die gerade bei chronisch-rezidivierenden Verläufen unverzichtbar ist.